Social Media – Kurzbeitrag aus der SZ

In der Tageszeitung „Süddeutsche Zeitung“ fanden wir diese „Meinung“ von Sebastian Herrmann

 

Kinder scrollen, Eltern auch 

 

Eine klassische Familienszene der Gegenwart: Tochter oder Sohn sollen Hausaufgaben machen und sich für eine anstehende Schulaufgabe vorbereiten. Endlich fruchtet das elterliche Genörgel, und der Jugendliche geht in sein Zimmer. Mutter oder Vater rufen hinterher: „Aber das Handy bleibt draußen!“  Kind: „Jaaaa!“ mit genervt gedehntem A. Kurze Zeit später, die misstrauischen Eltern wagen eine Kontrolle. Das Kind scrollt auf dem Smartphone durch Insta-Tiktok-Snapchat oder ein anderes Zeitvernichtungssystem, das den verharmlosenden Begriff „soziale Medien“ trägt. Und die Schule. Ja, mei.

 

Da wirkt das Ergebnis einer Studie aus Italien wie eine absolute Offensichtlichkeit: Je früher Jugendliche einen eigenen Social-Media-Account haben, desto schlechter fallen die schulischen Leistungen aus. Ja klar, möchte man da als Vater rufen, der sich im täglichen Kampf gegen Smartphone-Windmühlen aufreibt. Was also hilft? Gute Frage, Geduld, ein dickes Fell und das Vertrauen, dass die Kinder nicht ins absolute soziale Abseits geraten, wenn sie mit zehn oder elf Jahren kein eigenes Smartphone haben, oder wenigstens keinen eigenen Zugang zu sozialen Medien? Oft hilft es, sich mit anderen Eltern zu koordinieren, die mit den gleichen Problemen kämpfen und ihre Kinder auch nicht an Tiktok und Co. verlieren wollen.

 

Ob verbindliche Altersgrenzen für Social-Media-Accounts die Lösung sind? Jedenfalls nur dann, wenn sie auch durchgesetzt weden. In Australien, wo seit Dezember 2025 eine solche Regelung gilt, können sich Jugendliche jedenfalls sehr leicht trotzdem einen Zugang verschaffen, und machen das auch. Also, erst mal folgender Vorschlag: Wir Eltern leben es vor und vertrödeln selbst nicht so viel Zeit auf Insta und anderswo. Ist schwer? Ja, warum sollten Kinder es dann einfach so hinbekommen.

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