Was denn so in der Kath. Kirche „läuft“:

Diesen Beitrag fanden wir in der Mittwoch-Ausgabe der österr. Tageszeitung DER STANDARD

 

Offenbar Ruhestand für unruhigen Dompfarrer Toni Faber

 

Es war in katholischen Kreisen schon länger Gesprächsstoff: Der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl führe mit dem Dompfarrer von St. Stephan, Toni Faber, „ernste Gespräche“ über dessen öffentliches Auftreten. Faber trat nicht nur bei allen möglichen Society-Events auf, sozusagen als geistlicher Begleiter, er zeigte auch öffentlich immer deutlicher, dass er es mit dem Zölibat nicht so ernst nimmt.

 

Nun ist es, wie die Presse berichtet, ernst geworden. Faber, der nächstes Jahr 65 wird, soll als Dompfarrer in Pension gehen. Das ist bei katholischen Priestern relativ ungewöhnlich, da viele – auch wegen des Priestermangels – bis weit über 70 im Amt bleiben. Faber soll denn auch eine andere Verwendung finden, nur den prestigeträchtigen und im Lichte der Öffentlichkeit stehenden Posten als Wiener Dompfarrer soll er abgeben.

 

Toni Faber selbst äußert sich zum STANDARD wie folgt: Man sei in „guten Gesprächen“, er könne sich – entgegen seiner ursprünglichen Haltung – vorstellen, als Dompfarrer in Pension zu gehen, hoffe aber, als sozusagen einfacher Priester weiter mit Messen, Taufen usw. in St. Stephan tätig sein zu können. Vonseiten des erzbischöflichen Sekretariats hieß es am Dienstag, man sei in Gesprächen.

 

Aktiver Vertreter der katholischen Kirche

 

Faber hatte die Position seit gut 30 Jahren inne und war ein sehr aktiver Vertreter der katholischen Kirche. Keine weltliche Feier, bei der er nicht auftrat und seinen geistlichen Segen gab. Er ließ auch in Gesprächen keinen Zweifel daran, dass er das vor rund 1000 Jahren in der Kirche eingeführte Zölibat – also Ehelosigkeit und sexuelle Enthaltsamkeit – für überholt halte. Tatsächlich waren im frühen Christentum Priester verheiratet.

 

Seit einigen Jahren zeigte er sich mit einer neuen „guten Freundin“ – so seine Sprachregelung – immer offensiver in der Öffentlichkeit. Mit der Wiener Anlageberaterin erschien er auf Bällen, auch am Opernball, stellte sich bereitwillig den Fotografen und ließ so wenig Zweifel an seinem beziehungsmäßigen Status, allerdings ohne sie jemals offen als „Lebensgefährtin“ oder Partnerin zu bezeichnen.

 

Das wurde vom vorigen Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, mehr oder minder geduldet. Paradoxerweise ist auch der neue Erzbischof, Josef Grünwidl, der in Interviews, auch im STANDARD, vertretenen Ansicht, dass die Entscheidung für oder gegen das Zölibat in der Kirche eine freiwillige sein sollte.

 

Provokation

 

Aber vorläufig ist das noch eine Verpflichtung, und Fabers offensives Auftreten ist doch offenbar zu viel geworden. In Gesprächen äußerte sich Faber dazu beinahe trotzig – er könnte auch in einer zivilen Funktion, etwa in der Privatwirtschaft, Erfolg haben, und es wisse eh jeder, wie er über das Zölibat denke, aber das dürfte nicht wirklich ernst gemeint gewesen sein.

 

Faber macht geltend, dass er in den Jahren als Dompfarrer zu einer dringend notwendigen öffentlich sichtbaren Rolle der Kirche beigetragen habe, auch durch seine Society-Aktivitäten. Rein seelsorgerisch habe er rund 1500 Personen zum Eintritt beziehungsweise Wiedereintritt in die Kirche bewogen.
Aber offenbar wurde das zu viel, als Provokation empfunden – etwa, als Faber ein Kunstwerk des Scientology-Anhängers Gottfried Helnwein als Fastentuch vor dem Altar in St. Stephan aufhängen ließ. Das Domkapitel – eine Art Aufsichtsrat – ließ das Werk entfernen. Es zeigte in typischer Helnwein-Manier ein hyperrealistisches Bild eines verletzten Kindes.

 

Toni Faber betrachtet das Ganze offenbar als grobe Ungerechtigkeit, scheint sich aber mit der Lösung durch Grünwidl abgefunden zu haben. (Hans Rauscher, 19.5.2026)