Trockenheit — Landwirtschaft: Lage „dramatisch verschärft“
Diesen leider sehr aktuellen Artikel fanden wir im ORF (1. August 26)
Vor knapp einem Monat hat es für die Heuernte in Vorarlberg noch gar nicht so schlecht ausgeschaut. Jetzt hat sich das Blatt gewendet. Die Situation habe sich wegen der anhaltenden Trockenheit in manchen Regionen „dramatisch verschärft“, sagt Christian Meusburger von der Landwirtschaftskammer.
„Die Situation hat sich sehr, sehr verschärft, ich würde schon sagen, in manchen Regionen fast dramatisch verschärft“, sagt Christian Meusburger, Bereichsleiter der Abteilung Pflanzenbau bei der Landwirtschaftskammer Vorarlberg. „Es ist alles das eingetroffen, was wir uns nicht erhofft haben. Der lang ersehnte Landregen ist ausgeblieben.“ Wenn Regen komme, dann nur punktuell, „mit Glück dort, wo man seine Felder hat“, sagt Meusburger.
„Es wächst an vielen Standorten nichts mehr. Man sieht es den Feldern an, dass sie rot und braun werden, vertrocknen“, schildert er. Das hat zur Folge, dass das Futter für den Winter knapp wird. „Das merkt man natürlich, dass je nach Standort oder bei vielen Betrieben Futter fehlt, dass fast ganze Schnitte ausfallen – in der Menge und auch in der Qualität“, sagt Meusbuger.
Futter zukaufen könnte teuer werden
Je nach Lage werden die Felder sonst in der Regel ein bis fünfmal gemäht. Ist zu wenig Heu oder Silage für den Winter da, werden die Landwirte entsprechend zukaufen müssen. „Futter zu kriegen wird die große Herausforderung. Wir haben in großen Teilen von Europa Trockenheit“, sagt Meusburger. Je knapper das Futter ist, desto teurer ist es im Ankauf.
Im vergangenen Jahr sei die Ernte besser ausgefallen. Da hätten einige Landwirte auch Futter verkauft, um die Lager vor der neuen Ernte heuer im Sommer zu leeren. Das sei üblich, um Platz für das frische Heu zu schaffen. „Wenn man das gewusst hätte, dann hätte man vielleicht weniger Futter hergegeben“, sagt Meusburger mit Blick auf die heurige Situation.
Viehmärkte schon jetzt angespannt
Die zweite Möglichkeit wäre, den Viehbestand zu reduzieren. Ein Rattenschwanz, sagt Meusburger. Denn wenn viele Landwirte zur selben Zeit mehrere Tiere schlachten, dann sinkt auch der Schlachtpreis. Die Viehmärkte sind schon jetzt angespannt. „Das bedeutet, es wird weniger Vieh gekauft. Es wird auch in anderen Regionen weniger Vieh verkauft“, sagt Meusburger.
Trockenheit auf Alpen verschärft Situation
Auch auf den Alpen sei die Situation prekär. „Man hört, dass Wasser geflogen werden muss, dass Wasser geführt werden muss, dass das Trinkwasser für die Tiere knapp wird oder ausgeht“, warnt Meusburger. Mancherorts werde auch Futter auf die Alpen gebracht, gerade um Milchkühe zusätzlich zu füttern.
Die letzte Lösung: ein früherer Alpabtrieb. Der droht jetzt tatsächlich in vielen Regionen: „Die eine oder andere Alpe bzw. sehr viele, werden einfach früher heim ins Tal ziehen. Das natürlich wiederum ist eine große Herausforderung, weil natürlich dort Winterfutter verfüttert wird“, sagt Martin Rusch, Bereichsleiter der Abteilung Alpwirtschaft beim Land Vorarlberg. Das Futter also, das eigentlich für den Winter gedacht wäre. Das verschärft die Situation im Tal zusätzlich.
„Noch nie dagewesene Trockenheit“
Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger spricht von einer „flächendeckenden Trockenheit vom Bodensee bis zum Neusiedler See in einem noch nie dagewesenen Ausmaß“. Bei der Ernte gebe es regionale Unterschiede, im Osten sei es besonders gravierend.
red, vorarlberg.ORF.at

